Tarifrunde Holz und Kunststoff 2021
Holz und Kunststoff: Warnstreiks gehen weiter

Zwar hat die IG Metall Tarifabschlüsse in der Holz- und Kunststoffindustrie in Niedersachsen und Baden-Württemberg erzielt. Doch eine Übernahme der Ergebnisse in den anderen Tarifgebieten haben die Arbeitgeber bislang nicht zugesagt. Die IG Metall muss weiter mit Warnstreiks Druck machen.


Die komplette Frühschicht steht draußen vor dem Tor bei der Deutschen Fertighaus Holding (DFH) in Simmern (Rheinland-Pfalz). Über 200 Beschäftigte sind ab 12.30 Uhr im Warnstreik. Die Produktion und Logistik bei Deutschlands größtem Fertighaushersteller steht komplett für zwei Stunden. Schmerzhaft für die Geschäftsleitung. Die Auftragsbücher sind voll. DFH kommt kaum noch hinterher. „Born to be Wild“ dröhnt aus den Boxen. Die IG Metall Bad Kreuznach hat einen DJ mitgebracht.

Die Tarifrunde in der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie ist noch lange nicht zu Ende. Zwar gibt es bereits zwei Tarifabschlüsse in Niedersachsen und Baden-Württemberg – mit mehr Geld und einer Verdopplung des Demografiefonds für Gesundheit und Altersteilzeit.

Doch die Arbeitgeber jammern und haben bislang keine Signale gesendet, dass sie das Tarifergebnis auch in anderen Tarifgebieten übernehmen. „Darunter geht für uns nichts. Abstriche für Rheinland-Pfalz werden wir nicht akzeptieren“, macht Christian Möckel von der IG Metall Bad Kreuznach klar – unter donnerndem Applaus der DFH-Beschäftigten. Der DJ lässt dazu „Thunderstruck“ von AC/DC aus den Boxen donnern.

 „Ich rechne nicht damit, dass unsere Arbeitgeber den Tarifabschluss bei uns so einfach übernehmen“, meint die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von DFH, Lydia Ott, die auch Mitglied der Tarif- und Verhandlungskommission der IG Metall in Rheinland-Pfalz ist.

Bislang haben sich rund 24 000 Beschäftigte bundesweit an den Aktionen und Warnstreiks der IG Metall beteiligt und Druck auf die Arbeitgeber gemacht. Doch das wird noch nicht reichen. Weitere Warnstreiks sind geplant. In vielen Tarifgebieten der Holz- und Kunststoffindustrie stehen in den nächsten Wochen noch Verhandlungen aus. Der erste Verhandlungstermin für Rheinland-Pfalz ist geplant für den 10. November.

Rekordgewinne und Arbeit ohne Ende

Die Arbeitgeber in der Holz- und Kunststoffindustrie knausern. Dabei brummt das Geschäft ohne Ende – gerade bei den Fertighäusern. „Wir haben seit Corona noch mehr Aufträge“, berichtet DFH-Betriebsrätin Lydia Ott. „Derzeit arbeiten wir 40 Stunden in der Woche – auch samstags. Wir kommen einfach nicht mehr nach. Und uns laufen die Fachkräfte weg,“

Die Arbeit im Fertighausbau und in der Logistik bei DFH in Simmern ist hart. Dennoch sind die Löhne deutlich niedriger als bei den umliegenden Betrieben der Metall- und Elektroindustrie.

„Um unsere Zukunft bei DFH zu sichern, müssen wir mehr ausbilden und Fachkräfte sichern. Wie soll das gehen, wenn ein Drittel der Beschäftigten in der Produktion gerade mal 15,90  Euro in der Stunde verdient?“ – kritisiert der Betriebsratsvorsitzende Dietmar Mohr. „Dabei haben wir letztes Jahr überdimensionale Gewinne gemacht.“

Laut Jahresabschluss der DFH AG stieg der Gewinn von 8,3 Millionen Euro auf 33 Millionen Euro im Jahr 2020.

Die Beschäftigten schuften regelmäßig Überstunden. Vor allem jedoch wird ihre Arbeit immer mehr verdichtet. Die Geschäftsleitung wollte ihnen sogar die Raucherpausen verbieten. Schließlich muss der Haufen Aufträge ja abgearbeitet werden. Die Beschäftigten sind sauer.

„Klar wollen wir mehr Geld. Aber vor allem geht es auch um Respekt“, erklärt ein Beschäftigter aus der Logistik, der den ganzen Tag Fertighausteile verlädt und gemeinsam mit drei Kollegen hier beim Warnstreik vor dem Tor steht. „Wir bekommen immer mehr Arbeit aufgedrückt. Da wird gar nicht diskutiert.“
 

Solidarität aus Betrieben in der Region

Auch aus der Nacht- und Spätschicht sind Leute extra zum Warnstreik zum DFH-Werk in Simmern gekommen. Aber auch viele aktive IG Metall-Mitglieder aus anderen Betrieben in der Region, um im Hunsrück die Beschäftigten bei DFH solidarisch zu unterstützen: von Boge und CompAir in Simmern, von Continental in Rheinböllen. Ihre Betriebsräte sprechen zu den DFH-Warnstreikenden, überbringen Grüße, sprechen ihnen Mut zu.

„Das ist doch selbstverständlich, dass wir unsere Kolleginnen und Kollegen bei DFH unterstützen“, erklärt Christel Meier, Betriebsrätin beim Autozulieferer Continental in Rheinböllen. „Die DFH-Leute waren ja auch bei unseren Warnstreiks da.“