Jahresrückblick der IG Metall
Das war 2021

Coronapandemie, Bundestagswahl und Transformation – das Jahr 2021 war für die Beschäftigten von einer Mischung aus Aufschwung und Krise geprägt. Ein Blick zurück zeigt, was wir gemeinsam erreicht haben.


Das Jahr 2021 war wieder von der Coronapandemie geprägt, aber es ging auch bergauf: Gleich mehrere zugelassene Impfstoffe haben inmitten der Virusausbreitung für Entlastung gesorgt und die Bundestagswahl hat frischen Wind in festgefahrene politische Debatten gebracht. Auch die Konjunktur hat einen Aufschwung erlebt und der Industrie Mitte des Jahres eine Rekordzahl an Aufträgen beschert.

Solche Lichtblicke waren für die belasteten Beschäftigten besonders wichtig. Lieferengpässe und Materialmangel, dazu der Umbau der Industrie im Zuge der Transformation – die Antworten der Arbeitgeber auf diese Herausforderungen waren häufig mit Verlagerung und Stellenkürzungen verbunden.

Aber Beschäftigte und die IG Metall haben gemeinsam dagegengehalten. Zehntausende haben sich bei Tarifrunden, betrieblichen Aktionen oder großen Aktionstagen beteiligt und dafür gesorgt, dass tarifliche und betriebliche Lösungen geschaffen wurden. Ob Textil und Bekleidung, Eisen und Stahl, Metall und Elektro, das Handwerk oder Holz und Kunststoff – in den Tarifrunden haben Beschäftigte mehr Geld, sichere Arbeitsplätze und Zukunftsperspektiven erkämpft. Auch die Angleichung der Arbeitszeit und des Entgelts im Osten ist in vielen Betrieben ein gutes Stück vorangekommen: Zuletzt haben die 5500 Beschäftigten des BMW-Werks in Leipzig gemeinsam mit ihren Betriebsräten und ihrer IG Metall durchgesetzt, dass ihre Arbeitszeit schrittweise bis 2026 von derzeit 38 auf 35 Stunden in der Woche sinkt.

Die Erfolge zeigen: „Solidarität gewinnt“. Das war auch der Ruf der 1300 Beschäftigten des Autozulieferers Mahle, die dort im Oktober für den Erhalt von Arbeitsplätzen und gegen die zunehmenden Standortverlagerungen auf die Straße gezogen sind, solidarisch unterstützt von Metallerinen und Metallern aus anderen Betrieben. Auch bei Bosch soll unter dem Vorwand der Transformation durch Einsparungen der Profit maximiert werden. 2500 Beschäftigte haben am Solidaritäts-Aktionstag im November hiergegen protestiert.

Dass sich Durchhaltevermögen auszahlt, zeigt ein Blick nach Babenhausen, Karben und Rheinböllen. Continental hatte bereits radikalen Personalabbau und Werksschließungen angekündigt, die unermüdlichen Warnstreiks sowie zahlreiche Verhandlungen waren am Ende erfolgreich. Die Werke bleiben, wenn auch mit Einschnitten. In Rheinböllen haben sich die Beschäftigten einen Zukunftstarifvertrag mit festen Zusagen erkämpft. Sie gestalten ihre Zukunft künftig mit – mit ihrem Expertenwissen und ihren Ideen .

Ähnliche Zukunftstarifverträge hat die IG Metall in einer Reihe weiterer Betriebe durchgesetzt – mit Investitionen in die Transformation, in einen fairen Wandel, in Zukunftsprodukte und Qualifizierung, mit verbindlichen Zusagen zu Produktionskapazitäten und Arbeitsplätzen.

Die Metallerinnen und Metaller haben also auch dieses Jahr die Zukunft der Industrie in Deutschland wieder maßgeblich geprägt. Ihre Aufträge an die Politik haben sie während der Koalitionsverhandlungen bei dem bundesweiten Fairwandel-Aktionstag deutlich gemacht. Die Forderung: ein fairer und sozial-ökologischer Wandel der Industrie.

„Neben der Bewältigung der Pandemie treibt die Beschäftigten die Transformation der Industrie in Deutschland um“, sagt Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall. „Allein kurz nach der Wahl sind 50 000 IG Metall-Mitglieder bei unserem Aktionstag dafür auf die Straße gegangen, dass die neue Koalition den Wandel in soziale und ökologische Bahnen lenkt. Wichtige von uns vorgebrachte Ideen finden sich jetzt im Koalitionsvertrag wieder.“ Auch 2022 werden IG Metall und  Beschäftigte weiter dafür sorgen, dass die Politik und die Arbeitgeber unsere Forderungen auf der Agenda haben.