Warnstreiks bei Airbus
Beschäftigte machen Druck auf den Airbus-Konzern

In der Auseinandersetzung um die künftige Struktur von Airbus Operations und Premium Aerotec erhöht die IG Metall nun nochmals den Druck. Insgesamt beteiligten sich 21.000 Beschäftigte an Warnstreiks an allen deutschen Standorten. Die IG Metall fordert einen Sozialtarifvertrag.


Die Geduld der Beschäftigten ist am Ende, das Maß ist voll. In insgesamt fünf Verhandlungsrunden haben IG Metall und Airbus über die geplante Neustrukturierung des Konzerns verhandelt - doch der Flugzeugbauer ist nach wie vor nicht bereit, den Kolleginnen und Kollegen Sicherheit zu geben. Nun machen die Beschäftigten mit ganztägigen Warnstreiks, die teilweise über mehrere Schichten und Tage gehen, Druck auf den Arbeitgeber. „Die Kollegen und Kolleginnen wollen endlich Schwarz auf Weiß haben, dass ihre Zukunft gesichert ist“, sagt Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste.


Warnstreiks an allen deutschen Standorten

Allein bis Freitagmittag beteiligten sich in Augsburg, Bremen, Hamburg, Nordenham, Stade und Varel mehr als 14 000 Beschäftigte an den Arbeitsniederlegungen, durch die komplette Schichten in der Produktion ausgefallen sind. Den gesamten Freitag und Samstag hindurch liefen die Warnstreiks bei Airbus in Hamburg unvermindert weiter. Wegen der hohen Corona-Infektionszahlen gab es keine Kundgebungen oder andere Aktionen an den Standorten. Die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter blieben aus Protest gegen die Neustrukturierung des Konzerns zuhause. Insgesamt beteiligten sich von Donnerstag bis Samstag 21 000 Warnstreikende. 

„Die Werke stehen still, und die Hallen sind leer. Auch viele Beschäftigte aus Konstruktion und Verwaltung beteiligen sich von zuhause aus an den Warnstreiks und verweigern die Arbeit“, so Daniel Friedrich. „Die Belegschaften von Airbus und Premium Aerotec stehen zusammen und kämpfen gemeinsam gegen die sinnlose Spaltung und für ihre Zukunft.“

Bereits im Sommer gab es eine Serie von Warnstreiks. Seitdem haben Airbus und IG Metall miteinander verhandelt. Bislang erfolglos.


Neue Bundesregierung muss eingreifen

Die IG Metall fordert die kommende Bundesregierung auf, tätig zu werden. „Ich erwarte, dass sich die neue Bundesregierung jetzt aktiv einschaltet und die Strategie des Aussitzens der alten Bundesregierung sofort beendet“, sagt Jürgen Kerner, Hauptkassierer und geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. „Es geht um Interessen Deutschlands, es geht um Arbeitsplätze in Deutschland, die in erheblichem Umfang durch steuerfinanzierte Beteiligung an zivilen und militärischen Luftfahrtprogrammen getragen werden.“ Den Beschäftigten sei es zu verdanken, dass Airbus so gut durch die Krise gekommen sei, so Kerner. „Zum Dank beabsichtigt Airbus, Unternehmen zu zerschlagen, Standorte zu verkaufen und Arbeitsplätze zu vernichten. Tausende Beschäftigte sind zutiefst verunsichert - das ist absolut nicht akzeptabel.“

Airbus hatte im April die Absicht verkündet, die Montage von Flugzeugrümpfen und -strukturen in einem neuen Tochterunternehmen zusammenzufassen. Betroffen wären die Airbus-Werke Stade, Teile des Standorts Hamburg sowie die Airbus-Tochter Premium Aerotec mit drei der vier Augsburger Werken und den Standorten Bremen und Nordenham. Zudem will Airbus die Teilefertigung bei der Tochter Premium Aerotec in Augsburg, im friesischen Varel und in Rumänien an einen Investor verkaufen. Andernfalls drohten harte Restrukturierungsmaßnahmen mit erheblichen Auswirkungen auf die Beschäftigung.


Sicherheit für die Beschäftigten

Die IG Metall fordert einen Sozialtarifvertrag, in dem die Bedingungen für die von der Umstrukturierung betroffenen Beschäftigten geregelt werden. Zudem verlangt sie, einen Plan zum Verbleib der nachhaltigen Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Standorte Varel und Augsburg, die unter anderem wichtige Kleinteile produzieren, zu entwickeln. Nötig sei ein Zukunftspaket für alle heutigen Standorte von Airbus Operations sowie von Premium Aerotec.

Neu auf igmetall.de