Die IG Metall Küste hat ihre Warnstreiks in der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie am Mittwoch weiter ausgeweitet. Am bislang größten Warnstreiktag beteiligten sich mehr als 6.500 Beschäftigte an den Arbeitsniederlegungen. „Die Beteiligung übertrifft unsere Erwartungen. Sie zeigt, dass die Kolleginnen und Kollegen bereit sind, für ein besseres Angebot zu kämpfen“, sagt Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste. „Sie sorgen jeden Tag dafür, dass produziert wird und die Unternehmen erfolgreich sind. Dafür erwarten sie Respekt und eine faire Beteiligung. Die vorgeschlagene faktische Minusrunde der Arbeitgeber reicht ihnen nicht.“
Einen Schwerpunkt bildete Hamburg. Bei STILL legten Beschäftigte der Früh-, Normal- und Spätschicht zeitweise ihre Arbeit nieder. Insgesamt beteiligten sich dort 1.200 Beschäftigte an den Warnstreiks. Der Aktion schlossen sich weitere 50 Beschäftigte der STILL-Niederlassung Hamburg/Bremen sowie Beschäftigte von Otis, Kone, Schindler, Tepper Aufzüge und KION an.
Weitere Warnstreiks gab es unter anderem bei den Mercedes-Benz-Werken in Hamburg und in Bremen, bei Airbus Aerostructures in Varel, bei August Brötje Raumheizsysteme in Apen und Rastede sowie bei Stryker Trauma in Schönkirchen. Damit haben sich seit Sonntag mehr als 11.500 Beschäftigte in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und im nordwestlichen Niedersachsen an den Aktionen beteiligt.
Bezirksleiter Friedrich, der bei der Kundgebung von STILL zu den Streikenden sprach, forderte die Arbeitgeber auf, ihr „sogenanntes Angebot“ in der dritten Verhandlung am kommenden Freitag deutlich nachzubessern. „Sie müssen die starke Beteiligung ernst nehmen. Morgen setzen wir mit unserer bislang größten Warnstreikwelle im Norden ein unübersehbares Signal an die Arbeitgeber“, kündigte Friedrich an.
Warnstreiks in 96 Betrieben am Donnerstag
Am Donnerstag erreicht die Warnstreikwelle im Bezirk Küste ihren bisherigen Höhepunkt. Beschäftigte aus 96 namentlich angekündigten Betrieben sind zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Warnstreiks finden in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und im nordwestlichen Niedersachsen statt.
Zu den Schwerpunkten gehören die Airbus-Standorte in Hamburg, Stade und Nordenham. Daneben sind unter anderem Beschäftigte bei Siemens Gamesa in Cuxhaven, der Meyer Werft in Papenburg, TKMS in Kiel und Wismar, Dräger in Lübeck, der Neptun Werft und Liebherr in Rostock sowie bei ZF Airbag in Laage zum Warnstreik aufgerufen.
Große gemeinsame Aktionen sind außerdem in Wilhelmshaven, Kiel, Itzehoe und bei der Lürssen Werft in Schacht-Audorf geplant. In Wilhelmshaven beteiligen sich Beschäftigte aus neun Betrieben an einem zentralen Warnstreik auf dem Valoisplatz. Zur gemeinsamen Aktion bei Flowserve SIHI in Itzehoe sind ebenfalls Beschäftigte aus neun Betrieben aufgerufen.
Friedrich spricht am Donnerstag um 11 Uhr bei Airbus Aerostructures in Nordenham-Einswarden und um 13 Uhr auf der Warnstreikkundgebung in Wilhelmshaven. „Von Airbus über die Werften bis zu den zahlreichen Industrie- und Zulieferbetrieben: Die Warnstreiks erfassen jetzt die gesamte Küste“, sagt Friedrich.
Die IG Metall fordert in der Tarifrunde 5 Prozent höhere Entgelte. Darüber hinaus will sie eine Sicherung von Arbeitsplätzen, eine tarifliche Gewinnbeteiligung für Beschäftigte in Unternehmen, die gute Geschäfte machen, sowie eine soziale Komponente für untere Entgeltgruppen, Auszubildende und Dual Studierende erreichen. Die Arbeitgeber haben dagegen acht Nullmonate, eine streichbare Einmalzahlung im Juli 2027 und lediglich 1,3 Prozent mehr Entgelt ab Juli 2028 angeboten.
Die dritte Tarifverhandlung findet am Freitag, 6. November, in Bremen statt. Die IG Metall Küste verhandelt mit dem Arbeitgeberverband Nordmetall für rund 130.000 Beschäftigte in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und im nordwestlichen Niedersachsen.