Die maritime Industrie in Deutschland steht vor erheblichen Wachstumschancen – benötigt dafür jedoch klare politische Prioritäten und verlässliche Rahmenbedingungen. Das betonten der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) und die IG Metall Küste an diesem Montag auf ihrer gemeinsamen Pressekonferenz in Hamburg.
„Schiffbau und Meerestechnik sind eine Zukunftsbranche mit strategischer Bedeutung für Deutschland und Europa – technologisch führend, exportstark und sicherheitsrelevant“, erklärte Dr. Reinhard Lüken, Hauptgeschäftsführer des VSM. „Die von der EU-Kommission präsentierte europäische Maritime Industriestrategie ist ein starkes Signal. Sie erkennt an, dass Schiffbau und Meerestechnik systemrelevant für Europas wirtschaftliche Sicherheit, Verteidigungsfähigkeit und technologische Souveränität sind. Deutschland ist in Europa die führende Industrienation auch in der gesamten Wertschöpfungskette von Schiffbau und Meerestechnik. Damit die Strategie spürbar Wirkung in der Realwirtschaft zeigt, müssen vor allem die Mitgliedsländer handeln. Die Bundesregierung ist sich dessen bewusst, denn sie hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Kommission die maritime Industriestrategie vorgelegt hat. Jetzt kommt es auf pragmatisches, ergebnisorientiertes Handeln an.“
Die Branche befinde sich an einem entscheidenden Punkt. Der Bedarf in zentralen Märkten ist riesig und vielfach strategisch begründet – etwa durch veränderte sicherheitspolitische Anforderungen, energiepolitische Transformationen und nachhaltige Technik. Gleichzeitig sind diese Chancen kein Selbstläufer.
Auch die IG Metall Küste unterstrich die industrie- und arbeitsmarktpolitische Bedeutung der Branche. „Trotz voller Auftragsbücher bei den deutschen Werften und angekündigtem Beschäftigungsaufbau, steht die Branche vor großen Herausforderungen. Alle Werften und Zulieferer müssen beteiligt werden, nur so ist es zu schaffen. Dafür muss die Branche noch stärker und konstruktiver zusammenarbeiten. Die Fachkräftesicherung wird nicht nur wegen der Demografie zu einem entscheidenden Faktor für die Zukunftsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Branche. Entscheidend ist nun, die Attraktivität maritimer Berufe zu erhöhen und mehr junge Menschen – besonders Frauen – zu gewinnen“, erklärte Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste.
Mit Blick auf die veränderte geopolitische Lage warnten beide Organisationen vor wachsenden sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten. Der Traum von einer regelbasierten Weltordnung könne nicht länger als handlungsleitend gelten. Ein starker europäischer Rahmen für die maritime Industrie muss die realen Bedingungen im globalen Markt zur Grundlage nehmen.
Die jüngsten Signale aus Brüssel für eine stärkere „Made in Europe“-Orientierung begrüßen VSM und IG Metall Küste ausdrücklich. „Wenn öffentliche Mittel eingesetzt werden, müssen sie auch europäische Wertschöpfung und industrielle Kompetenz stärken. Das ist ein zentraler Baustein für Resilienz und Wachstum in Europa“, so Dr. Lüken.
Mit Blick auf die 14. Nationale Maritime Konferenz im April in Emden formulierten beide Organisationen eine klare Erwartung: Die Konferenz müsse konkrete industriepolitische Weichenstellungen liefern. „Die maritime Industrie ist strategisch relevant für Sicherheit, Energieversorgung, Klimaschutz und gute Industriearbeit. Jetzt ist der Moment, diese Stärke in eine langfristige politische Strategie zu übersetzen“, betonte Daniel Friedrich.