Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie IG Metall Küste: Keine Einigung ohne Kurswechsel der Arbeitgeber

IG Metall zeigt in der dritten Verhandlung Wege zu einem Tarifabschluss sowie zur Sicherung von Zukunft und Beschäftigung auf. Keine neue Verhandlung vereinbart - Mehr als 42.000 Warnstreikende erhöhen seit Sonntag den Druck auf die Arbeitgeber

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6. November 2026 6. November 2026


Die IG Metall hat in der dritten Tarifverhandlung für die norddeutsche Metall- und Elektroindustrie am Freitag in Bremen Lösungsmöglichkeiten zur Beschäftigungs- und Standortsicherung im Tarifkonflikt aufgezeigt. „Jetzt müssen die Arbeitgeber ihre Vorstellung von einer Minusrunde fallenlassen und eine 180-Grad-Wende vollziehen. Sonst wird uns kein Tarifabschluss gelingen, der die Einkommen der Beschäftigten stärkt und zugleich Zukunft, Investitionen und Beschäftigung sichert“, sagte Daniel Friedrich, Bezirksleiter und Verhandlungsführer der IG Metall Küste. Die dritte Verhandlung ging ohne Ergebnis zu Ende, eine weitere Verhandlungsrunde wurde vorerst nicht vereinbart.

Die Grundlage für eine Einigung sei klar: „Zukunft muss gemeinsam mit den Beschäftigten und ihrer IG Metall auf Augenhöhe gestaltet werden und nicht durch Verzichtsorgien auf dem Rücken der Belegschaften“, erklärte Friedrich. „Wir haben Tarifverträge, die Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit sichern. Angesichts der aktuellen Herausforderungen sind wir bereit, diese Regelungen weiterzuentwickeln, um Arbeitsplätze und Standorte langfristig zu sichern.“

Mehr als 42.000 Beschäftigte bei Warnstreiks

Vor der Verhandlung erhöhten 4.000 Beschäftigte aus 27 Bremer Industriebetrieben mit zwei Demonstrationszügen und einer Kundgebung vor dem Verhandlungshotel den Druck auf die Arbeitgeber. An den Warnstreiks beteiligten sich unter anderem Beschäftigte von Mercedes-Benz, Airbus, Lear, Rheinmetall Electronics, Siemens, TKMS Atlas Elektronik, ZF und Lürssen.

Darüber hinaus legten am Freitag rund 2.000 Beschäftigte aus weiteren norddeutschen Bundesländern ihre Arbeit nieder. Insgesamt haben sich seit Beginn der Warnstreiks am vergangenen Sonntag mehr als 42.000 Beschäftigte im Bezirk Küste an den Arbeitsniederlegungen beteiligt.

„So eine hohe Beteiligung in der ersten Warnstreikwelle hatten wir an der Küste noch nie. Das zeigt, dass unsere Kolleginnen und Kollegen hinter unseren Forderungen stehen und einen vernünftigen Abschluss erwarten“, sagte Friedrich. „Wer sich in den Verhandlungen so verhält wie Nordmetall, fordert die IG Metall heraus. Wir wollten einen schnellen, vernünftigen Abschluss. Jetzt ist klar: Mit dem Verhalten der Arbeitgeber schaffen wir das nicht. Wir werden mit unserer Tarifkommission die nächsten Schritte besprechen. Wenn die Arbeitgeber eine Eskalation wollen, sind wir vorbereitet.“

IG Metall zeigt Wege für einen Abschluss auf

Die IG Metall Küste zeigte in der dritten Verhandlung, wie eine tragfähige Lösung aussehen kann. Dazu gehören spürbare Entgeltsteigerungen, eine soziale Komponente insbesondere für untere Entgeltgruppen, Auszubildende und Dual Studierende sowie Instrumente zur Sicherung von Zukunft und Beschäftigung.

Bei Zukunft und Beschäftigung setzt die Gewerkschaft auf eine Weiterentwicklung bestehender tariflicher Regelungen, die Investitionen in Zukunftsprodukte mit verbindlichen Zusagen für Standorte, Arbeitsplätze und Ausbildung verbindet. Abweichungen von tariflichen Standards sollen nur in klar begrenzten Fällen möglich sein und an überprüfbare Zusagen der Unternehmen geknüpft werden. Ein pauschaler Verzicht der Beschäftigten allein zur Kostensenkung ist für die IG Metall keine Lösung. „Die Einkommen und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten sind kein Selbstbedienungsladen für das Management“, so Friedrich.

Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld für Beschäftigte und Auszubildende bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem will die Gewerkschaft Zukunft und Beschäftigung sichern, eine tarifliche Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben sowie eine soziale Komponente für untere Entgeltgruppen, Auszubildende und Dual Studierende.

Die Arbeitgeber hatten in der zweiten Verhandlung Ende Oktober acht Nullmonate, eine streichbare Einmalzahlung im Juli 2027 und eine tabellenwirksame Entgelterhöhung um lediglich 1,3 Prozent ab Juli 2028 bei insgesamt 26 Monaten Laufzeit angeboten. Immerhin sagten sie in der dritten Verhandlung zu, dass die geplante Einmalzahlung im Juli 2027 in allen norddeutschen Bundesländer gleich hoch sein soll. Bislang wollten die Arbeitgeber den Beschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern 262 Euro weniger als in Hamburg zahlen.

Die IG Metall Küste verhandelt mit dem Arbeitgeberverband Nordmetall für rund 130.000 Beschäftigte in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und im nordwestlichen Niedersachsen.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Dominik Lauck

Assistenz: Cristina Wolter

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