Arbeitskampf 1956/57 Streik für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall: ein Meilenstein der Sozialgeschichte

Am 24. Oktober 1956 begann in Schleswig-Holstein der längste Streik in der Geschichte der IG Metall. Ziel des Arbeitskampfes war die Gleichstellung von Arbeitern und Ange-stellten bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Eine für die Streikleitung angemietete Barkasse im Kieler Hafen beim Streik um die Lohnfortzahlung

22. Oktober 2026 22. Oktober 2026


Erst nach 114 Streiktagen konnte im Februar 1957 ein Tarifergebnis erzielt werden. Dieser Erfolg legte einen entscheidenden Grundstein dafür, dass in den folgenden Jahren auch die gesetzlichen Regelungen verändert wurden und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall schließlich zu einem Anspruch für alle Beschäftigten in Deutschland wurde.

Gerade angesichts der aktuellen Debatten über sozialpolitische Kürzungen und der Forderungen aus Politik und Arbeitgeberverbänden nach Einschränkungen bei der Lohnfortzahlung bleibt dieser Arbeitskampf ein Meilenstein in der Sozialgeschichte der Bundesrepublik – und ist zugleich von hoher Aktualität.

Am kommenden Samstag (24. Oktober 2026) wird in Kiel und Lübeck mit Veranstaltungen an den Beginn des historischen Arbeitskampfes erinnert. Weitere Informationen dazu finden sich unten. Zudem wird eine Wanderausstellung von Kiel aus durch den Bezirk ziehen. Am 13. Februar 2027 würdigt die IG Metall in Kiel mit einer zentralen Feierstunde den erfolgreichen Abschluss des Streiks vor 70 Jahren.

Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste, erklärt dazu:

„Angesichts der aktuellen Kürzungsdebatten ist der Kampf um die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall aktueller denn je. Er zeigt, wie wichtig starke Gewerkschaften und eine kämpferische Tarifpolitik sind, um gesellschaftlichen Fortschritt durchzusetzen. 114 Tage haben die Metallerinnen und Metaller damals gestreikt. Das war ein beeindruckendes Zeichen von Entschlossenheit, Zusammenhalt und Solidarität – nicht nur unter den Streikenden, sondern weit darüber hinaus im ganzen Land. Was damals erkämpft wurde, ist heute für Millionen Beschäftigte selbstverständlich. Aber soziale Errungenschaften sind nicht vom Himmel gefallen. Sie wurden erstritten und müssen immer wieder verteidigt werden. Wir werden nicht zulassen, dass wir in Zeiten zurückfallen, in denen Beschäftigte vor der Entscheidung stehen, krank zur Arbeit zu gehen oder Einkommensverluste hinzunehmen. Wer krank ist, muss gesund werden können – ohne Angst um seinen Lohn.“

Öffentliche feierliche Finissage der Ausstellung am Samstag, 24. Oktober 2026, um 11 Uhr im Kieler Gewerkschaftshaus, Legienstraße 22-24, 24103 Kiel.

Rückblick auf 70 Jahre Streik für die Lohnfortzahlung bei Krankheit am 24. Oktober 2026 um 11 Uhr im Gewerkschaftshaus Lübeck, Raum Ingeborg Sommer, Holstentorplatz 1-5, 23552 Lübeck in Anwesenheit von Bezirksleiter Daniel Friedrich.