Tarifverhandlungen Tischlerhandwerk Ost Zukunft sichern, Ausbildung stärken, Entgelte weiter angleichen

Die Zukunft der Branche entscheidet sich nicht über niedrige Löhne, sondern über die Fähigkeit, Fachkräfte zu gewinnen, auszubilden und dauerhaft zu halten. Im ostdeutschen Tischlerhandwerk arbeiten derzeit rund 32.000 Beschäftigte in mehr als 6.000 Betrieben.

Auszubildende sägt an einer Kreissäge ein Holzbrett zurecht.

3. November 2026 3. November 2026


Bei der ersten Tarifverhandlung am 27.10.2026 für die Beschäftigten des Tischlerhandwerks in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hat die IG Metall deutlich gemacht: Die Zukunft der Branche entscheidet sich nicht über niedrige Löhne, sondern über die Fähigkeit, Fachkräfte zu gewinnen, auszubilden und dauerhaft zu halten. Im ostdeutschen Tischlerhandwerk arbeiten derzeit rund 32.000 Beschäftigte in mehr als 6.000 Betrieben.

 

„Der Wettbewerb um gute Köpfe wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Die demografische Entwicklung, zahlreiche bevorstehende Renteneintritte und der anhaltende Fachkräftemangel machen deutlich, dass die Betriebe attraktive Arbeits- und Ausbildungsbedingungen brauchen“, erklärte Ralf Köhler, Verhandlungsführer der IG Metall. Branchenweit wird die Sicherung von Fachkräften mittlerweile als eine der größten Herausforderungen angesehen.

 

Die Beschäftigten im ostdeutschen Tischlerhandwerk leisten täglich hochqualifizierte Arbeit. Sie sorgen dafür, dass Betriebe funktionieren, Aufträge abgearbeitet werden und Fachwissen an die nächste Generation weitergegeben wird. Gleichzeitig steht die Branche vor großen Herausforderungen: Viele Fachkräfte werden in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen, Nachwuchs ist schwer zu gewinnen und die Ausbildungszahlen reichen vielerorts nicht aus, um den künftigen Bedarf zu decken.

 

Unsere Ziele für die Tarifrunde

Für die IG Metall ist deshalb klar: Wer die Zukunft des Tischlerhandwerks sichern will, muss in die Menschen investieren.

Deshalb setzen wir uns in der Tarifrunde insbesondere für folgende Punkte ein:

  • eine Entgelterhöhung, die deutlich über der aktuellen Inflation liegt,
  • weitere Schritte zur Angleichung der Einkommen an das deutlich höhere Niveau westdeutscher Tarifgebiete,
  • eine spürbare und überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütungen,
  • eine Überprüfung der bisherigen prozentualen Anbindung der Ausbildungsvergütungen an das Gesellenentgelt,
  • wirksame Maßnahmen zur Stärkung der Ausbildung und Fachkräftesicherung.

Die Arbeitgeber beklagen seit Jahren den Mangel an Fachkräften und Nachwuchs. Wer junge Menschen dauerhaft für das Tischlerhandwerk gewinnen möchte, muss ihnen aber auch attraktive Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen bieten. Gute Ausbildung und gute Einkommen sind keine Belastung für die Zukunft des Handwerks, sondern eine Voraussetzung dafür.

 

Was die Arbeitgeber sagen

In einem ersten Vorgespräch haben die Vertreter der Innungen auf eine schwierige wirtschaftliche Lage vieler Betriebe hingewiesen. Sie verweisen auf die schwache Baukonjunktur, Nachfolgeprobleme in zahlreichen Unternehmen sowie auf einen rückläufigen Organisationsgrad der Innungen. Nach ihrer Einschätzung wird sich die wirtschaftliche Situation in den kommenden Jahren nur langsam verbessern. Außerdem berichten sie von einer sinkenden Ausbildungsbereitschaft vieler Betriebe. Gleichzeitig besteht weiterhin Interesse an einer gemeinsamen Lösung zur Förderung der Ausbildung, beispielsweise über eine Ausbildungsumlage.

 

Die wirtschaftlichen Herausforderungen nehmen wir ernst. Gleichzeitig gilt: Die Zukunftsprobleme der Branche werden nicht durch Zurückhaltung bei Einkommen oder Ausbildung gelöst. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels braucht das Handwerk attraktive tarifliche Bedingungen, um Beschäftigte zu halten und junge Menschen für den Beruf zu gewinnen.

 

Jetzt kommt es auf uns an

Tarifverträge entstehen nicht am Verhandlungstisch allein. Gute Ergebnisse werden immer dann erreicht, wenn die Beschäftigten hinter ihren Forderungen stehen und dies auch sichtbar machen.

Deshalb kommt es in den kommenden Wochen auf jede Kollegin und jeden Kollegen an.

Unsere Forderungen sind berechtigt:

  • Die Lebenshaltungskosten steigen weiter.
  • Der Abstand zu vielen westdeutschen Tarifgebieten besteht weiterhin.
  • Die Ausbildung muss attraktiver werden.
  • Fachkräfte verdienen Anerkennung und eine faire Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg ihrer Betriebe.

Je stärker die Unterstützung aus den Betrieben ist, desto größer ist die Chance auf einen guten Tarifabschluss.

 

Verhandlungen werden fortgesetzt

In der ersten Verhandlungsrunde wurden die jeweiligen Positionen ausgetauscht. Ein konkretes Angebot der Arbeitgeberseite lag noch nicht vor. Die IG Metall machte deutlich, dass die Beschäftigten und Auszubildenden einen Tarifabschluss erwarten, der die Herausforderungen des Fachkräftemangels, der demografischen Entwicklung und der notwendigen Attraktivität der Branche angemessen berücksichtigt. Die Tarifverhandlungen sollen im Dezember fortgesetzt werden.

 

Wer die Zukunft des ostdeutschen Tischlerhandwerks sichern will, muss heute in die Beschäftigten und die Auszubildenden investieren. Dafür setzen wir uns gemeinsam ein.