Aktionstag Automobil Rund 7.500 Beschäftigte protestieren in Norddeutschland für starke Automobilindustrie

3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer alleine in Bremen - Bezirksleiter Friedrich: „Die Beschäftigten haben heute deutlich gemacht, dass sie einen Kahlschlag nicht widerspruchslos hinnehmen werden“ - Deutliche Forderungen an Arbeitgeber und Politik

Aktionstag Mercedes Benz Werk Hamburg

21. September 2026 21. September 2026


Rund 7.500 Beschäftigte haben sich am heutigen Montag (21. September) in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und dem nordwestlichen Niedersachsen am bundesweiten Aktionstag der IG Metall für eine starke Automobilindustrie beteiligt. Unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag – Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke“ setzten sie ein deutliches Zeichen gegen Arbeitsplatzabbau, Standortschließungen und Verlagerungen.

Die größten Proteste im Bereich der IG Metall Küste fanden an den Mercedes-Benz-Standorten in Bremen und Hamburg statt. Weitere öffentliche Kundgebungen und Demonstrationen gab es unter anderem bei KS Gleitlager in Papenburg, Semikron Danfoss in Flensburg und Lear Corporation in Wismar. Hinzu kamen betriebliche Aktionen unter anderem im VW-Werk Emden, bei Joh. Friedrich Dirks in Wilhelmshaven und bei GKN Driveline in Kiel. Beteiligt waren Beschäftigte von Automobilherstellern, Zulieferern und Logistikunternehmen.

„Der heutige Aktionstag war ein starkes Signal der Beschäftigten an Unternehmen und Politik: Zukunft gibt es nur mit sicheren Arbeitsplätzen und starken Standorten“, sagt Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste. „Jetzt ist schnelles Handeln gefragt. Die Arbeitgeber müssen endlich in ihre Standorte, moderne Produkte und die Qualifizierung der Beschäftigten investieren, statt nur auf kurzfristige Renditen zu schauen. Die Beschäftigten und ihre Familien tragen keine Schuld an der Krise. Sie haben Sicherheit und klare Perspektiven verdient.“

In Bremen beteiligten sich insgesamt 3.000 Beschäftigte an den Kundgebungen am Mercedes-Benz-Werk und im Gewerbepark Hansalinie. „Wer die 35-Stunden-Woche angreift, legt sich mit der gesamten IG Metall an“, rief Friedrich den Beschäftigten zu. Auch Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte sprach zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern und sagte ihnen die Unterstützung des Bremer Senats zu. Mehrere Demonstrationszüge führten durch Bremen zu den beiden Großkundgebungen. Beteiligt waren Beschäftigte zahlreicher Automobilzulieferer und Logistikunternehmen sowie Solidaritätsdelegationen aus weiteren Bremer Industriebetrieben, unter anderem von Airbus, ArcelorMittal, TKMS Atlas Elektronik und Thermo Fisher.

Am Mercedes-Benz-Werk in Hamburg versammelten sich 500 Beschäftigte vor dem Werkstor. In Papenburg protestierten 350 Beschäftigte bei KS Gleitlager. Bei Semikron Danfoss in Flensburg beteiligten sich 200 Beschäftigte an einer Kundgebung vor dem Haupteingang. In Wismar demonstrierten 40 Beschäftigte vor dem Werkstor von Lear Corporation. In Emden kamen 3.000 Metallerinnen und Metaller zu betriebsinternen Aktionen bei Volkswagen, Brose Sitech und Sese zusammen, in Kiel 140 bei GKN Driveline und in Wilhelmshaven 100 bei Joh. Friedrich Dirks.

Bundesweit beteiligten sich rund 175.000 Beschäftigte an dem Aktionstag. Von der Frühschicht bis zur Nachtschicht protestierten sie bei Betriebsversammlungen, vor Werkstoren, mit Demonstrationen und aktiven Mittagspausen für die Zukunft der Automobilindustrie.

Die Metallerinnen und Metaller nahmen dabei nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Politik in die Pflicht. Sie forderten eine konsequente Industriepolitik, die deutsche und europäische Wertschöpfung schützt und fördert. Notwendig seien außerdem faire und wettbewerbsfähige Energiekosten sowie verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen in klimafreundliche Produkte und Technologien.

Zugleich dürfe die Transformation nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden, erklärte Friedrich. „Deshalb darf an der Altersteilzeit im Blockmodell sowie an der abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte nach 45 Beitragsjahren nicht gerüttelt werden.“

Politik und Unternehmen dürften nicht länger nur Krisen verwalten. Sie müssten jetzt die Voraussetzungen dafür schaffen, dass industrielle Wertschöpfung und gute Arbeitsplätze in Deutschland eine Zukunft haben. „Wer heute bei Investitionen, Qualifizierung und Beschäftigung kürzt, verspielt die Zukunft der gesamten Branche“, so Friedrich. „Die Beschäftigten haben heute deutlich gemacht: Sie werden einen Kahlschlag nicht widerspruchslos hinnehmen.“

Bundesweit fanden rund 280 Aktionen im Bereich von rund 80 IG Metall-Geschäftsstellen statt.

Im Anschluss an den Aktionstag Automobil ruft die IG Metall zusammen mit dem DGB nun zum Aktionstag für einen starken Sozialstaat am Samstag, 26. September, auf. In Norddeutschland finden dazu Kundgebungen in Kiel, Hamburg, Rostock und Bremen statt.