Die Warnstreikwelle der IG Metall Küste hat am Donnerstag ihren bisherigen Höhepunkt erreicht. 21.800 Beschäftigte beteiligten sich an den Arbeitsniederlegungen in der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie. Warnstreiks fanden in fast 100 Betrieben in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und im nordwestlichen Niedersachsen statt. Damit haben seit dem Beginn der Warnstreiks am Sonntag mehr als 32.500 Beschäftigte im Bezirk Küste ihre Arbeit vorübergehend niedergelegt.
Zu den Schwerpunkten gehörten mehrere Airbus-Standorte: Im Hamburger Werk legten insgesamt 9.000 Beschäftigte für drei Stunden die Arbeit nieder, in Stade waren es 1.300 und in Buxtehude 200 Beschäftigte. In Schleswig-Holstein streikten mehr als 4.000 Metallerinnen und Metaller, darunter 1.000 Beschäftigte von TKMS und German Naval Yard in Kiel. In Wismar kamen 300 Beschäftigte von Lear, TKMS und Schottel zur Kundgebung. Gestreikt wurde unter anderem auch bei Siemens Gamesa in Cuxhaven, der MEYER WERFT in Papenburg, der Neptun Werft und Liebherr (500 Streikende) in Rostock sowie bei ZF Airbag in Laage.
„Fast 22.000 Warnstreikende an einem Tag sind eine klare Ansage: Die Beschäftigten erwarten morgen eine deutliche Bewegung am Verhandlungstisch“, sagte Daniel Friedrich, Bezirksleiter und Verhandlungsführer der IG Metall Küste. „Wer eine Minus-Runde fordert, darf sich über diese Reaktion nicht wundern. Die Arbeitgeber haben es jetzt in der Hand, den Tarifkonflikt zu lösen.“
Friedrich sprach am Donnerstag zu 1.860 Warnstreikenden bei Airbus Aerostructures in Nordenham sowie zu 600 Beschäftigten bei der zentralen Warnstreikkundgebung in Wilhelmshaven.
Dritte Verhandlung am Freitag in Bremen
Am Freitag findet in Bremen die dritte Tarifverhandlung mit dem Arbeitgeberverband Nordmetall statt. Sie wird von umfangreichen Warnstreiks in 27 Bremer Betrieben, zwei Demonstrationszügen und einer Kundgebung vor dem Verhandlungshotel begleitet. An den Warnstreiks in der Hansestadt beteiligen sich unter anderem Beschäftigte von Mercedes-Benz, Airbus, Lear, Rheinmetall Electronics, Siemens, TKMS Atlas Elektronik, ZF und Lürssen.
Auch außerhalb Bremens gehen die Warnstreiks am Freitag weiter. In Schleswig-Holstein sind unter anderem Beschäftigte bei Hensoldt Sensors und Vossloh Rolling Stock in Kiel sowie Caterpillar Motoren in Henstedt-Ulzburg aufgerufen. Weitere Arbeitsniederlegungen sind bei Designa Verkehrsleittechnik und Rheinmetall Landsysteme in Kiel sowie Otis in Neumünster geplant.
Im nordwestlichen Niedersachsen sind Warnstreiks unter anderem bei den Norddeutschen Seekabelwerken und bei NKT in Nordenham, Airbus Aerostructures in Nordenham-Einswarden und beim Fahrzeugwerk Bernard Krone in Werlte geplant. Zudem wird erneut bei der Meyer Werft in Papenburg gestreikt. In der Region Hamburg sind Aktionen bei Airbus, GEA Tuchenhagen in Büchen, Saint-Gobain in Norderstedt und Fette Compacting in Schwarzenbek angekündigt.
„Die Beschäftigten haben in dieser Woche eindrucksvoll gezeigt, dass sie hinter unseren Forderungen stehen. Jetzt sind die Arbeitgeber am Zug. Wir erwarten am Freitag ein Angebot, mit dem eine Lösung am Verhandlungstisch möglich wird“, sagte Friedrich.
Die IG Metall fordert in der Tarifrunde fünf Prozent mehr Geld für Beschäftigte und Auszubildende bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Sie will außerdem die Sicherung von Zukunft und Beschäftigung, eine tarifliche Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben sowie eine soziale Komponente für untere Entgeltgruppen, Auszubildende und Dual Studierende erreichen. Die Arbeitgeber haben in der zweiten Verhandlung acht Nullmonate, eine streichbare Einmalzahlung im Juli 2027 und lediglich 1,3 Prozent mehr Entgelt ab Juli 2028 angeboten. Die von ihnen vorgeschlagene Laufzeit beträgt 26 Monate.
Die IG Metall Küste verhandelt mit Nordmetall für rund 130.000 Beschäftigte in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und im nordwestlichen Niedersachsen.