Jahres-Pressekonferenz Norddeutschlands Industrie bleibt robust - doch die Lage ist fragil

Metall- und Elektroindustrie steht „zwischen Licht und Schatten“ - Bezirksleiter Friedrich kritisiert Sozialstaatsdebatte: „Die CDU muss sich entscheiden: Beschäftigte zu Sündenböcken machen - oder gemeinsam mit ihnen den Wandel gestalten. Beides geht nicht.“

Schweißer in der Industrie

3. Februar 2026 3. Februar 2026


Die IG Metall Küste sieht den Industriestandort Norddeutschland in einem angespannten Zustand. „Unsere Lage ist besser als in vielen anderen Regionen, aber sie ist fragil“, warnte Bezirksleiter Daniel Friedrich auf der Jahrespressekonferenz am Dienstag in Hamburg. „Wer jetzt wegschaut, riskiert Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Zukunftschancen.“

 

Die  Metall- und Elektroindustrie stehe „zwischen Licht und Schatten“. Die massiven Verwerfungen der Automobilindustrie im Süden und Westen träfen die Küste weniger stark. „Das liegt vor allem an unserer großen Branchenvielfalt und an den Transformationen, die wir hier schon in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich gemeistert haben“, sagte Friedrich. Positive Beispiele seien die Luftfahrtindustrie, die Medizintechnik und der Schiffbau, wo vor allem die Marinewerften volle Auftragsbücher hätten.

 

Handlungsbedarf sieht der Gewerkschafter unter anderem bei der Offshore-Windindustrie, weil noch offen sei, ob aus den jüngsten Ankündigungen auch „tatsächlich regionale Wertschöpfung entsteht“. Die Bundesregierung sei gefordert, für Investitionssicherheit und klare Entscheidungen zu sorgen.

Die im Herbst anstehende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie werde ein Kraftakt. „Wir müssen einen Spagat schaffen zwischen starken Zukunftsbranchen und Betrieben, die unter enormem Druck stehen“, meinte Friedrich.

 

Mit scharfen Worten kritisierte er die anhaltende Sozialstaatsdebatte. „Die CDU muss sich entscheiden: Beschäftigte zu Sündenböcken machen - oder gemeinsam mit ihnen den Wandel gestalten. Beides geht nicht.“ Die IG Metall habe eine Initiative für Arbeit und Aufschwung gestartet mit dem Ziel, Beschäftigung zu sichern, Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und die Transformation aktiv zu gestalten. Wo dies nicht gemeinsam gelingt, würden die Konflikte zu nehmen.

 

Friedrich hob die Bedeutung der Betriebsratswahlen im März und April hervor: „Mitbestimmung ist gelebte Demokratie. Wer erlebt, dass seine Stimme im Betrieb zählt, stärkt auch unsere demokratische Gesellschaft.“ In den mehr als 1.000 norddeutschen Industriebetrieben mit fast 300.000 Beschäftigten seien trotz mancher öffentlicher Debatten keine rechten Pseudogewerkschaften aktiv.

 

Nach Zuwachs in den vergangenen Jahren verzeichnete die IG Metall Küste im vergangenen Jahr einen Mitgliederrückgang. Zwar schlossen sich fast 9.000 Menschen der Gewerkschaft in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und im nordwestlichen Niedersachsen neu an. Aufgrund von Personalabbau, weniger Ferienarbeitsplätzen im Automobilsektor und des demografischen Wandels sank die Mitgliederzahl jedoch um 3,2 Prozent auf 171.735.

 

In den Betrieben ist die IG Metall weiterhin stark aufgestellt: Fast 123.000 betriebliche Mitglieder und damit - trotz Corona-Krise -  7.400 mehr als vor zehn Jahren“, freute sich Friedrich. Auch die Tarifbindung konnte 2025 weiter erhöht werden: 970 Beschäftigte in 6 Betrieben profitieren erstmals von Tarifverträgen.

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Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Dominik Lauck

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